Das verdammte Glück! (Happiness is not the goal)


1

Das verdammte Glück. Es schnürt ihr die Kehle zu, würgt ihr die Luft ab, die Tränen schiessen ihr in die Augen.

Sie steht vor dem Traualtar, eben war noch alles gut gewesen, es lief alles, wie sie es monatelang geplant hatten, mit ihrem Freund zusammen. Abende lang hatten sie an den Details geschliffen, an den Blumenbouquets, an der Trauzeremonie, an ihrem Kleid, an den Gästelisten, an den musikalischen Untermalungen (eine Geige). Es war alles so, wie sie es sich vorgestellt hatte. Alles. Genau. So.

Eben noch hatte sie sich selbst den Gang hinunter schweben sehen, hatte gleichzeitig die Gesichter der Menschen gesehen, die ihr aufgeregt und erwartungsvoll entgegenblickten. Eben noch war alles gut. Wunderbar. Perfekt.

Und dann hat sie dieses Glücksgefühl übermannt. Eine heisse Welle zuerst, Euphorie, sie konnte kaum noch denken, dann noch heisser, dann Tränen, das Gehirn setzt aus, Panik setzt ein, es gibt keinen Grund zum Weinen, das Herz rast vor Glück, der Atem geht schneller, es ist ihr Tag, ihre Stunde, ihr Auftritt, sie darf es nicht versauen, das verdammte Glücksgefühl bringt sie ganz aus dem Gleichgewicht. Ihr Freund und gleich Mann starrt sie nervös an. Ihr Mann!

Das Glück trägt sie weg, schwemmt sie fort, sie kann sich nicht wehren, das ist ihr Mann, ihr Leben, das jetzt gleich anfangen wird, ihre Zukunft, das ist das, was sie immer gewollt hat. Es ist zuviel, sie kann es nicht schlucken, sie erstickt an diesem Glück.

Sie fängt an zu husten und zu keuchen. Der Bräutigam nimmt sie am Arm. Sie stolpert, taumelt. Die Gäste fangen an, unruhig in den Bänken herum zu rutschen. Der Pfarrer unterbricht sich. Alle scheinen den Atem anzuhalten.

Sie schliesst die Augen. Lichter brechen hinter ihren Lidern, die Geräusche nimmt sie nur gedämpft wahr. Ihr ist so heiss. Das Glück, das Leben, die Zukunft, alles in diesen Augenblick gepresst.

Sie sinkt zu Boden. Ihre Mutter springt aus der vordersten Bank auf. Sie rennt zu ihr hin und schreit. Dieser Schrei erst löst die Erstarrung, in der sich alle befinden. Dieser Schrei löst Unruhe, Umhergerenne, Geschrei und Panik aus.

Aber die Braut befindet sich schon mitten in einer warmen Kugel des Glücks. Des vollkommenen Glücks. Es ist perfekt. Diese Hochzeit ist der perfekte Augenblick. Besser kann es nicht mehr kommen. Nie mehr.

2

 Im städtischen Krankenhaus schlägt der junge Mann langsam die Augen auf. Es gelingt ihm nicht im ersten Anlauf. Sie scheinen geschwollen. Und als er sie endlich aufbekommt, sieht er nur Umrisse. Der Umriss eines Stuhls, der Umriss eines Schrankes, der Umriss einer Maschine. Er versucht, sich auf den Stuhl zu konzentrieren. Aber es gelingt ihm nicht. Er schliesst die Augen wieder. Er ist in einem Krankenhaus. Er hat Schmerzen. Schmerzen in den Beinen und vor allem Schmerzen im Kopf. Er versucht, den Kopf leicht zu wenden. Es geht nicht. Sein Atem geht schnell. Er liegt in einem Bett in einem leeren Zimmer und kann nicht sehen und den Kopf nicht wenden. Seine Hände fangen an zu schwitzen. Was ist los? Er erinnert sich an den Abend, sie waren in einem Club, mit seiner Freundin und zwei Freunden. Er kannte seine Freundin schon lange. Sie hatten ihren Geburtstag gefeiert. Den 18. Geburtstag. Sie durfte offiziell Alkohol trinken. Sie hatte den ganzen Abend darauf bestanden, die Drinks zu holen. Weil sie das jetzt durfte. Es waren eine ganze Reihe Drinks gewesen, daran erinnerte er sich noch. Und dann? Was war dann passiert? Er wusste es nicht mehr. Sie waren nicht mit dem Auto unterwegs gewesen. Er erinnerte sich daran, dass sie zu Fuss losgingen. Sie wollte erwachsen und stilvoll betrunken werden. Nicht wie die Wochenenden der letzten Jahre, als sie sich zuhause betrinken mussten, weil sie in den Clubs nichts bekamen.

An diesem Abend spielten sie erwachsen.

Er versucht noch einmal, den Kopf zu drehen. Es tut wahnsinnig weh. Er bewegt ihn ganz vorsichtig. Alles würde gut werden, wenn er es schafft. Alles würde wiederkommen. Er hält die Augen geschlossen und spürt dem klopfenden Schmerz nach. Ausruhen und dann noch ein Stückchen drehen. Tränen schiessen ihm in die Augen. Tränen, weil es weh tut und Tränen, weil er Angst hat.  Er hat Angst zu wissen, was passiert ist und Angst zu wissen, was passieren wird. Am liebsten hätte er sich aufgerichtet und wäre aus dem Zimmer gerannt. Irgendwohin, wo er in Ruhe nachdenken konnte. Irgendwohin, wo jemand war, der ihm sagen würde, dass alles gut ist.

Er hat Angst wegzukippen und zurück in dieses Loch zu fallen, aus dem er gerade aufgewacht ist. Deshalb hält er inne. Sein Kopf ein wenig zur Seite gedreht. Immerhin. Er versucht noch einmal, die Augen zu öffnen. Es erscheint der Umriss eines Fensters und eines hoch gehängten Fernsehmonitors. Der Bildschirm ist schwarz. Er sollte rufen. Er sollte um Hilfe rufen und sich erklären lassen, was passiert ist. Wo die anderen sind. Ob es ihnen gut geht. Ob es ihm gut geht. Was, verdammt noch mal mit seinen Augen los ist.

Plötzlich hört er, wie sich die Tür öffnet. Er kann den Kopf nicht drehen. Er muss zuerst die Augen schliessen. Dann, ganz langsam, dreht er den Kopf zurück in die Mitte. Es dauert. Es ist ruhig im Zimmer. Als er das Gefühl hat, er sei in der Mitte angekommen, öffnet er die Augen wieder. Es muss ein Arzt sein. Der Umriss, den der sieht, ist weiss. Da, wo das Gesicht sein sollte, ist eine Fläche.

Wie fühlen sie sich? – fragt eine dunkle Stimme. Wahrscheinlich tönt sie mitfühlend. Oder mitleidig. Die Angst kriecht wieder in ihm hoch. Sie schnürt ihm die Kehle zu. Er kann nicht antworten. Aber er hat Angst, dass der Arzt wieder geht. Dass er nichts erfährt. Er versucht, die Hände zu bewegen. Der Arzt tritt einen Schritt näher.

Ihrer Freundin geht es gut, sagt die Stimme. Und sie – sie werden auch davonkommen – sie haben beide unwahrscheinlich Glück gehabt.

Es fühlt sich nicht an wie Glück, soviel ist sicher. Es fühlt sich an wie eine komplette Katastrophe. Er spürt die Tränen wieder in seinen Augen.

Sie wurden niedergeschlagen. Auf dem Nachhauseweg.

Er schliesst die Augen wieder. Vollkommen hilflos. Wollte es wissen und wollte es nicht wissen. Will die Zeit zurückdrehen. Er hat keine Erinnerung an eine Schlägerei. Er hat keine Erinnerung. Er hat keine Ahnung, wie er hier wieder herauskommen wird.

3

Die Frau sitzt in ihrer Wohnung. Sie hat es so gewollt. Sie hat es so geplant. Sie hat alles dafür getan, dass sie heute hier in dieser Wohnung sitzt, mit dem Säugling, der im Zimmer nebenan schläft. Ihr Mann ist bei der Arbeit. So haben sie das besprochen. Sie besprechen immer alles. Sie besprechen es und er sieht meistens ein, dass sie es so machen sollen, wie sich die Frau das ausgedacht hat.

Oder er will es so sehen. Er liebt sie. Er will sie glücklich machen. Und sie will glücklich sein. Sie wollte einen Mann wie ihren Mann. Einen lieben, netten Mann, der eine gute Arbeit hat und der ihnen beiden, oder ihnen drei, eine schöne Wohnung kaufte. In einem guten Quartier der Stadt. Sie mussten lange suchen, es war nicht einfach, die richtige Wohnung an der richtigen Lage zu finden. Aber bei dieser Wohnung stimmt alles. Als sie dann eingerichtet waren, war es ziemlich schnell einmal klar, dass sie ein Kind haben würden.

Früher arbeitete sie in einem Büro, es war ok, aber sie war nicht mit dem Herzen dabei. Sie dachte schon damals oft, wie schön es wäre, zuhause zu sein, Zeit zu haben, sich um ein Kind zu kümmern, sich mit ihren Freundinnen zu treffen und einzukaufen. Sie kocht gerne und sie ist gerne zuhause.

Das dachte sie immer. Aber jetzt sitzt sie hier auf dem Sofa, das Kind schläft im Nebenzimmer und plötzlich beschleicht sie ein Gefühl des Wartens. Sie scheint auf etwas zu warten. Und es wird ihr klar, dass sie sich auch gestern so fühlte und vorgestern. Nicht immer, nicht den ganzen Tag, meistens hat sie Pläne, trifft Leute, das Kind braucht Essen und Trinken, Schlaf und Spielsachen, der ganze Tag ist ausgefüllt mit Plänen und Planänderungen, aber hinter all dieser Struktur lauert das Warten. Das Warten drauf, dass das Kind aufwacht, dass der Mann nach Hause kommt, aber nicht nur das. Es ist das Warten an sich. Sie fühlt sich wie in einem Zwischenleben, das eine hat aufgehört zu existieren und das andere hat noch nicht so richtig angefangen. Vielleicht wird es anfangen, wenn das Baby ein wenig grösser ist, wenn es laufen kann, wenn es spricht. Sie weiss es nicht. Gerade jetzt, auf dem Sofa, ist sie unsicher, ob das Warten je ein Ende hat, oder ob sie nur von einem Wartezustand in den Nächsten gleiten wird.

Sie weiss nicht mehr, was sie will. Das ist das Problem. Bis jetzt gab es immer ein Ziel, etwas, das anzustreben war. Jetzt ist das Ziel erreicht und damit ein Zustand, der sich einfach in die Zukunft hinein dehnt. Verlängert. Streckt. Da ist keine Bewegung mehr, nur noch eine Verlängerung. Es schüttelt sie. Sie hofft, dass ihr Kind aufwacht, damit sie hinaus gehen kann, an die frische Luft, unter Menschen, damit diese Gedanken wegedrängt werden.

4

Er sitzt an der Bordsteinkante. Das ist die logische Folge der letzten paar Tage. Nein, der letzten paar Wochen. Oder der letzten paar Monate? Jahre? Wahrscheinlich ist es die logische Folge aller Ereignisse seit seiner Geburt. Das ist ein wichtiger Gedanke! Er hebt den Kopf. Er will über diesen Gedanken nachdenken. Das ist der vielleicht wichtigste Gedanke seines Lebens. Das ist vielleicht der Gedanke, der ihm Antwort auf all die Fragen gibt, die er sich so oft gestellt hat. Die Antwort auf Fragen, die er verzweifelt sucht. Vielleicht schon sein ganzes Leben lang. Er nimmt einen Schluck aus der Flasche. Er wird diesen Gedanken festhalten. Er wird ihm nachgehen. Er wird alle Ereignisse seines Lebens noch einmal denken. Die  Logik in allen Ereignissen suchen. Das wird allem einen Sinn geben. Bis hin zu diesem Moment. Bis zum Moment auf der Bordsteinkante. Das wird ihn endlich erlösen von all den bohrenden Fragen. Von all dem Zufall, Unglück, von diesem Niedergang, der so willkürlich über ihn gekommen schien. Und wenn alles einen Sinn macht, ENDLICH!, dann wird er auch wissen, was er als Nächstes zu tun hat. Dann endlich wird sich das Blatt wenden. Das Glück wird zu ihm zurückkehren.

5

Das Mädchen rutscht jetzt schon zum zehnten mal die Rutsche runter. Ganz für sich allein. Es spielt am liebsten ganz für sich allein.

Auf dem Spielplatz ist es immer laut und alle scheinen irgendwo hinzu wollen und irgendetwas zu tun zu haben. Es muss immer was passieren, verbunden mit Geschrei, Gequietsche und Gebrüll und meistens gibt es Streit.

Das Mädchen geht dahin, wo die anderen nicht sind. Die Wahrheit ist: sie will nicht teilen. Mit niemandem teilen. Das Mädchen weiss, dass alles auf der Welt für sie da ist. Der Spielplatz, die Bäume, die Steine, die Zeit, die Sonne, alles ist nur für sie da. Sie hat keine Ahnung, woher dieses Wissen kommt. Aber sie ist sich sicher, wenn sie anfangen würde, mit jemandem zu teilen, dann wäre es um ihre Welt geschehen. Dann wäre ihre Welt nur noch die Hälfte der Welt. Oder nicht einmal die Hälfte. Das Universum, ihr Universum, würde für sie verloren sein. Sie würde ein kleiner Teil sein, ein winziges Bisschen von vielen Milliarden Menschen.

Heute ist das noch nicht so. Heute gehört alles ihr und alles wartet nur auf sie. So will sie es auch haben. So will sie es lassen. Solange sie die andern Kinder umgeht, gibt es sie nicht und alles existiert nur für sie.

Wenn niemand auf der Rutsche ist, wie heute – die Rutsche ist dreckig und die Mütter dirigierten ihre Kinder anderswo hin – dann geht sie auf die Rutsche, ist niemand auf der Schaukel, dann geht sie auf die Schaukel und kommt ein Kind, geht sie weg.

So mag sie das. Sie mag es, wenn sie ungestört ist. Manchmal versinkt sie ganz und gar in einen gleichförmigen Rhythmus, wie jetzt. Runterrutschen, den Bogen laufen bis zur kleinen Treppe, hinaufklettern, immer mit dem gleichen Bein zuerst, sich oben hinsetzen, hinunterrutschen, den Bogen laufen… Sie achtet auf die kleinen Steine auf dem Boden. Auf die Spuren in den Steinen, Bremsspuren, Kampfspuren, hinaufklettern, sich an den kalten Stangen halten, die Hände höher schrauben, die Füsse nachziehen. Vielleicht tut sie das, weil die Zeit stehen bleibt, wenn sie immer das Gleiche macht. Das würde sie so natürlich nicht sagen, sie würde höchstens sagen: das gefällt mir so.  Es gefällt ihr, dass es immer der gleiche Spielplatz ist, dass es immer die gleiche Zeit ist, zu der sie hier ist, es gefällt ihr, dass es Frühling wird auf dem Spielplatz, Sommer, Herbst und Winter. Es gefällt ihr, dass alles immer so ist, wie es ist. Das ist gut so.

2

Er muss wieder in dieses Loch gefallen sein. Als er jetzt aufwacht, spürt er jemanden in seiner Nähe. Er überlegt einen Moment, ob er das will oder nicht. Ob er mit jemandem sprechen will. Er hält die Augen geschlossen. Er will beides. Für sich sein und nachdenken und nicht allein sein. Das geht nicht auf. Sein Kopf schmerzt. Wahrscheinlich deshalb kann er nicht so einfach spüren, was er will.  Nicht spüren was er will! Dieser Gedanke treibt ihm schon wieder den Schweiss auf die Stirn. Er ist unbeweglich UND er kann keine Entscheidungen treffen. Sein Körper ist unfähig aber auch sein Kopf. Sein Atem verschnellert sich. Jetzt spürt er eine Hand auf seinem Arm. Die Hand scheint ihn zu beruhigen. Die Hand muss zu seiner Freundin gehören. Er spürt es. Jetzt will er die Augen aufschlagen. Er will sie sprechen hören. Der Moment ohne vor und zurück ist vorbei. Einen winzigen Augenblick lang ist er froh. Aber dann öffnet er die Augen. Er kann klarer sehen als letztes Mal und was er sieht, zerreist ihm das Herz. Es ist wirklich seine Freundin. Ihr halber Kopf einbandagiert, auf der Stirn genäht, es wird eine hässliche Narbe geben und  – sie weint. Er weiss nicht, ob sie wegen ihm oder sich selber weint. Es bricht ihm das Herz. Es bricht ihm das Herz, sie so unglücklich und zerschlagen zu sehen. Ich bin froh, dass du lebst – sagt sie. Leise. Wahrscheinlich kann sie nur flüstern. Wahrscheinlich bringt ihre Stimme nicht mehr hervor. Sie weint vor Glück? Vor Unglück? Er vermag es nicht zu sagen. Er will sie fragen, was passiert ist, aber er hat Angst, dass sie ihm erzählen wird, dass sie geschlagen wurde. Er schaut sie an. Abwägend. Und fragt dann doch.  Er kann ihren Blick nicht ergründen. Trauer, Wut, Schmerz? Du kannst dich an nichts erinnern? – Sie wird es ihm nicht sagen. Sie wird es nie erzählen. Die Katastrophe mit sich herumtragen, tief vergraben und obwohl er dabei war, wird das nie ein Teil von ihnen Beiden sein, kein Schmerz, den sie teilen können und über den sie hinweg wachsen können. Sie kann es ihm nicht sagen, und er kann sich nicht erinnern. Und dazu diese Schmerzen. Er will das nicht. Alles nicht. So nicht. Er möchte alles ungeschehen machen. Wünscht sich, diesen glücklichen Abend hätte es nicht gegeben. Sie wäre nie 18 geworden. Er hätte sie nie kennengelernt. Wünscht sich, er wäre in einem anderen Leben. Es wird alles wieder gut werden, sagt sie. Aber es wird nie werden wie vorher, will er sagen. Er schliesst die Augen.

4

Er wacht auf. In einem Hauseingang. Kein Ahnung, wie er hierhergekommen ist. Keine Ahnung, was für ein Tag heute ist. Aber da war etwas. Tief in ihm drinnen. Da war etwas. Etwas war passiert. Etwas Wichtiges. Hatte er jemanden getroffen? Was war passiert? Er versucht, sich zu erinnern. Er schaut um sich. Vielleicht gibt es einen Hinweis? Um ihn Halbdunkel, Dämmerlicht, Hauseingang. Hatte ihn jemand hereingelassen? Eine Frau vielleicht? Hatte er eine schöne Frau getroffen und er wusste es nicht mehr? Das allerdings wäre fatal. Fluchend steht er auf und torkelt ins Freie. Er schaut sich den Eingang von Aussen an. Nichts. Er erinnert sich an nichts. Ausser diesem kleinen Gefühl, irgendwo in der Magengegend, ein Gefühl wie… Wie, alles wird anders oder ….. ein Gefühl wie früher, als er nach der Schule nach Hause kam und die Mutter ein Brot für ihn vorbereitet hatte…. also ein Gefühl von Zuhause? Von … Geborgenheit? ….

Er wird wütend. Was war passiert? Mit wem hatte er gesprochen? Warum weiss er es nicht mehr? Er dreht sich um und sieht die Flasche im Rinnstein. Die Bordsteinkante… Die Flasche…. er hatte da gesessen. Es war ein Gedanke.. Jetzt fällt es ihm wieder ein. Da war ein wichtiger Gedanke. Etwas Weltbewegendes. Ein Geheimnis, dass er endlich gelüftet hatte. Eine ERKENNTNIS: Er hatte eine Erkenntnis gehabt. Aber was genau hatte er erkannt? Sich selber? Seine Situation? Einen Ausweg? Mistmistmistmist! Sein Kopf ist noch zu vernebelt. So wird er nie drauf kommen. Er braucht ein Bier, oder besser, einen Schnaps, um den Kopf klar zu kriegen und dann wird er sich genau hier wieder hinsetzen und warten, bis der Gedanke wiederkommt. Er weiss, wenn er ihn noch einmal einfängt, den Gedanken, dann ist alles gut.

Es war die Lösung gewesen. Der Ausweg. Was war es denn nur gewesen? Er braucht ein Bier!

3 Kommentare zu „Das verdammte Glück! (Happiness is not the goal)

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