Natürlich gab es jetzt den Osten. Der Osten im Westen, das weite Land, die Seen. Das war gut so. Vor allem aber den Osten der Stadt. Die Nachbarn beschrieben manchmal, wie es war, da, wo die Strassenbahnen fuhren, da, wo abends all das Licht war und daneben all die alten Häuser. Platz war da und … Weiterlesen Frau Frische
Frühling
Lass dich überwältigen vom Frühling. Verlier dich selbst und gib dich ihm ganz hin. Lass dich treiben und umfangen von ihm. Geniesse die Berührungen der Wärme. Lass dich verführen von der Kraft die jeden Tag wächst und stärker wird. Die Kraft, die in die Bäume schiesst. Zweifle keinen Augenblick daran, dass er siegen wird. Spüre … Weiterlesen Frühling
WUT FOLGT GEWALT
Heute ist einer der ersten Frühlingstage. Sonne, Leichtigkeit, Draussen sein. Corona ist für ein oaar Stunden vergessen. Ich komme erst am Nchmittag in den Coworkingspace an der Kangstrasse. Langstrasse, Schmelzpunkt der Kulturen, Multikulti, toll finde ich das. Das wahre Leben. Vor dem Arbeiten noch einen kaffee trinken und eine Zigarette rauchen vor dem Workspace. In … Weiterlesen WUT FOLGT GEWALT
Mein Vater
Zwölf Jahre ist es jetzt her, seit mein Vater zu Asche wurde, in den Himmel ging, sich auflöste, aus meinem Gesichtsfeld verschwand, aufhörte in der Realität zu existieren. Heute überkam mich im Bruchteil einer Sekunde plötzlich eine verzweifelte Sehnsucht nach ihm. Ich kann nicht beurteilen, ob es die Sehnsucht nach seiner Körperlichkeit war, nach seiner … Weiterlesen Mein Vater
Danach
Als die Flugzeuge damals in die Türme flogen, war Jim in der Stadt. Er wohnte seit zwei Jahren da, war Schriftsteller, Bohème. Sein Leben bestand vor allem aus Parties, spielte sich in der Nacht ab, mit den richtigen, wichtigen, gleichen Leuten. Um das restliche Leben hatte er sich nicht gross gekümmert. Sein Künstlermikrokosmos war ihm … Weiterlesen Danach
körperlos
Gestern musste ich spazieren gehen. Nach zwei Zoomsitzungen, in denen ich die Menschen gehört und gesehen, aber nicht gespürt habe. Sie hatten keine Körperlichkeit. Draussen zerrte der Wind an meiner Jacke, es regnete in mein Gesicht. Ich spürte den Wind und den Regen. Ein Mann kam mir entgegen mit einem Hund. Laut sprach er in … Weiterlesen körperlos
Schnee in Züri
Fein fallen die Flocken vom Himmel. Unzählige tanzen und schweben. Jede ein Unikat, einzigartig und individuell. Sie fallen und fallen und erreichen schliesslich den Boden. Sammeln sich, schichten sich, verdichten sich. Schmelzen zusammen mit den anderen. Sie werden nass und schwer, brechen Äste und engen ein. Masse halt. Sie hindert mich am Fortkommen, drückt mich … Weiterlesen Schnee in Züri
Momente
Sie sieht ihn. Sie sieht ihn wirklich. Sie sitzt neben ihrem Mann, die Lippen aufgespritzt, die Bluse zu weit geöffnet. Sie schunkelt mit der Musik. Träumerisch, könnte man sagen, wenn ihre aufgerissenen Augen überhaupt träumerisch schauen können. So, wie sie sich träumerisch vorstellt. Und romantisch. Ihr Mann schunkelt nicht. Er trinkt noch ein Bier. Redet … Weiterlesen Momente
Das graue Grauen
Manchmal überkommt das graue Grauen das Dorf in den Bergen. Würden sie es einem Fremden beschreiben, würden sie sagen, es sei der Nebel. Oder schlechtes Wetter. So unbestimmt, halt. Sie würden es zu beschreiben versuchen, irgendwie logisch, wettermässig, meteorologisch. Aber unter sich wissen alle, das graue Grauen ist viel mehr als der Nebel. Viel mehr … Weiterlesen Das graue Grauen
Blümchen
Alle nannten sie Blümchen. Ein verwelkendes Blümchen, müsste man sagen. Blümchen klingt süss, wenn du zwanzig bist, aber es tönt müde und fehl am Platz, wenn du fünfzig bist. Der Name war nicht mit ihr gealtert. Er haftete an ihr wie ein zu kurzer Rock, den sie schon lange nicht mehr tragen sollte. Ich kann … Weiterlesen Blümchen








