Ich bin alleine an der Uferpromenade unterwegs. Vorsaison, windig und kalt. Wildromantisch und poetisch.
Eine Gruppe Kinder am Strand. Sie stehen eng beisammen. Das Wetter ist grau, ihre Kleider dunkel. Der Wind zerrt an ihnen. Ein Kind rennt immer und immer wieder gegen diese Wand aus Menschen. Still stehen sie da, bedrohlich. Ihre Rücken sind ihm zugewandt. Das Kind ist stumm. Es ruft nicht. Verbissen versucht es, in den Kreis zu kommen. Aber jeder Angriff wirkt ein wenig mutloser. Jede Welle ein wenig kraftloser. Seine verlorene Kraft scheint sich auf die Gruppe der anderen Kinder zu übertragen. Ihre Rücken werden kräftiger, ihre Gesichter fröhlicher.
Schliesslich setzt sich das Kind erschöpft einige Schritte neben der Gruppe in den Sand. Jetzt weint es. Offen zeigt es die Verzweiflung, die es davor zu unterdrücken versucht hatte. Auch jetzt kommt keine Reaktion von der Gruppe. Höchstens eine leichte Neugier, was als Nächstes passieren wird
Wie gebannt stehe ich und schaue zu.
Das Kind denkt wohl nach. Es lässt den Sand durch die Finger rieseln, überlegt. Schliesslich springt es auf und fängt an, allerlei Grimassen und Kunststücken zu machen. Handstand, Purzelbäume, Sparglimenter. Es tanzt um die dunkle Gruppe herum. Vollkommen hilflos und ziellos.
Es bricht mir das Herz.
Die Gesichter in der Gruppe wechseln jetzt von fröhlich zu hämisch, die Heiterkeit wird zu einem bösartigen Grinsen. Die Bewegungen des Kindes werden langsamer, unsicherer, stockender und trauriger. Es wirkt, wie wenn es sich selber ausgeschlossen hätte.
Das Kind hatte nie eine Chance, denke ich.
Und dann wendet das Kind sich ab und geht auf das Meer zu. Mit allen Kleidern läuft es hinein, obwohl das Meer kalt ist. Das Wetter kalt. Obwohl es ein kalter Märztag ist.
Die Gruppe bewegt sich immer noch nicht. Nur das hämische, bösartige Grinsen verschwindet langsam wieder von den Gesichtern.
Ich bin betroffen.