Das man im Haus

Der Mann im Haus tönt gut. Kompetent, anpackend, autoritär. Ein bisschen anders sieht es aus mit dem man im Haus.

Bei meinen Eltern war der Mann im Haus gleichzeitig auch das man im Haus. Man müsste den Rasen mähen, die Bäume umpflanzen, den Esszimmerstuhl flicken. Das man war ganz klar mein Vater. Er wusste es, meine Mutter wusste es, wir alle wussten es. Ich weiss gar nicht, warum meine Mutter nicht immer gleich sagte: Du musst den Rasen mähen etc. Wahrscheinlich, weil das zu stark nach einem Befehl klang. Man ist ungefährer, netter, irgendwie. Und auch schwieriger, weil man (!) sich den Befehl dann sozusagen selber geben muss. Obwohl er schon im Raum steht.

Bei uns in der WG ist das man grad sehr hoch im Kurs. Man müsste den Rasen mähen, den Sitzplatz machen, das Gemüsebeet jäten, die Äpfel ablesen, es nimmt keine Ende mit den Aufgaben. Jetzt würde man (!) ja denken, bei den 9 Menschen, die da wohnen, würde sich das man irgendwie verteilen. Das tut es aber nicht. Im Gegenteil. Das man befreit von jeglicher Verantwortung. Ist die Aufgabe benannt, scheint sie im Nirgendwo zu verschwinden. Sie ist ans man delegiert worden. Was natürlich sehr virtuell ist. Und so wartet dann alle Arbeit auf des man, das sich seiner annimmt.

Und hier komme ich ins Spiel. Ich mag es ordentlich, ich wohne gerne gepflegt. Und aus diesem Grund bin ich zum man im Haus herangewachsen. Widerwillig, muss ich sagen, grummelnd, ja erbost zuweilen. Aber es hilft alles nichts. Der Geist des mans bewohnt das Haus und alle Versuche, ihn zu vertreiben, sind gescheitert.

Die Alternativen sind, sich über das man aufzuregen oder über den ungemähten Rasen. Beides nicht berauschend.

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