Da geht sie dahin, die alte Frau. Mühsam und gebückt. Den Einkaufswagen zieht sie hinter sich her wie einen Klotz, alle paar Schritte bleibt sie stehen, um zu verschnaufen.
Es ist nicht immer leicht – denkt er.
Was für ein schöner Morgen – denkt sie.
Was für eine Plage, alt zu werden – denkt er, jetzt schon ein bisschen lauter.
Wie angenehm, soviel Zeit zu haben – denkt sie gutmütig.
Wieder geht sie ein paar Schritte, er bleibt auf der anderen Strassenseite stehen, die Ohrstöpsel im Ohr. Er braucht ein anderes Lied. Etwas Schnelleres. Härteres.
Sie dreht sich zum Baum um. War das eine Goldammer? Die hat sie schon lange nicht mehr gehört.
Die Frau gegenüber scheint nicht weiter zu wissen. Wahrscheinlich weiss sie nicht mehr, wo sie wohnt.
Soll ich ihr helfen? – denkt er. Aber schon der Gedanken daran widerstrebt ihm.
Ist ja auch nicht sein Problem.
Endlich hat er ein neues Lied gefunden.
Endlich hat die Frau die Goldammer entdeckt. Sie ist entzückt. Sie mag diesen Ruf ganz besonders. Und auch der Vogel ist ausnehmend hübsch.
Was denkt er sich denn. Wenn er sie fragt, wo sie wohnt, kann sie ihm wahrscheinlich keine Antwort geben, und wenn doch, müsste er sie vielleicht dahin begleiten. Und schliesslich will er joggen gehen und nicht eine alte Frau begleiten.
Sie dreht sich zurück. Langsam bekommt sie Hunger. Und es gab auch schon die ersten Kirschen im Eckladen. Ihr läuft das Wasser im Mund zusammen. Aber erst das Gemüse.
Der Mann bleibt noch einen Augenblick stehen. Unschlüssig. Aber dann geht er weiter, missmutig.
Soll sie doch selber schauen, wo sie bleibt – denkt er. Ich möchte auf jeden Fall nicht alt und verwirrt werden.
Seine Laune ist im Keller, wenn er nur schon daran denkt.
Die Frau sieht den Mann, der auf der anderen Strassenseite vorbeihetzt, mit einem griessgrämigen Gesichtsausdruck.
Es ist nicht leicht – denkt sie. Soviel Verantwortung, so viele Verpflichtungen in dem Alter.
Sie ist froh, dass diese Zeit hinter ihr liegt.