2
Ich hob heut einen Schatz am See, ganz für mich allein, an einem sonnigen Frühlingstag im Mai….. Wegdämmern, wischen im Gehirn, nicht wach nicht schlaf, der Körper häutet sich, unter dem alten steht ein junger, Marmor, Metall, makellos. Der alte Körper ist runzlig, aber was, was ist das…plötzlich…..dieser trägt die Seele, jede Runzel, jeder Fleck, jede Delle, abgestreift, weggeworfen. Er sieht mich nicht, sieht nicht die Seele, sie ist nicht in dem jungen Körper, sie liegt dahinten in dem alten, dem verbrauchten. Aneinander vorbei, ich habe dich verloren und du mich.
3
Ich hock im Gott und Gott hockt im Ich und wir definieren und definieren. Und grenzen ein und grenzen ab und umgrenzen. Innen und aussen, oben und unten, richtig und falsch und definieren, bis wir beide klein sind und schwach. Ich möchte explodieren und das Ich und das Gott zerstäuben über alles. Grenzenlos.
3
Ich habe beschlossen, an Gott zu glauben. Oder an das Göttliche. Die Natur, die Kraft, das Licht, die Matrix. Naja, was ich halt gerade brauche.
Nur eines kann ich nicht. Genau wie ich es nicht schaffe, beim meditieren an nichts zu denken, schaffe ich es nicht, an nichts zu glauben. Das Nichts scheint mir so hoffnungslos.
4
Die anderen mögen vielleicht von einem Affen abstammen, aber ich stamme von einer Pflanze ab. Brauche Licht und Wasser, Wärme und Ruhe. Bin tief verwurzelt, unbeweglich. Im Frühling ein übermütiges Kind, im Sommer heiss und matt, im Herbst erstrahle ich golden und im Winter bin ich tot und unsichtbar. Immer und immer wieder. Junge Blüten, auch wenn der Stamm schon alt und knorrig ist. Grüne Blätter, die sich im Wind bewegen, egal, woher er weht. Viele Früchte, die irgendwo auf die Erde fallen, die Blätter golden, wunderschön. Und dann erstarre ich bis die Sonne wieder kommt. Ich habe nichts von einem Affen.
5
Sonnenklar, aber heiss, aber Hitze aber schwül, nicht klar. Grell vor den Augen, Wabbern im Gehirn, kein gut, kein klar, vermengt, vermischt, verschwitzt, verrutscht. Alles in Rutschlage, schief, unklar, am sonnigen Tag.
6
Nichts ist mir wichtig…….Ausser mir selbst. Ich bin mir wichtig. Wichtiger als alles in der Welt. Das alles in der Welt, das mir nicht wichtig ist. Ich bin. Und alles andere existiert. Auch ohne mich. Muss halt auch ohne mich. Muss auskommen. Alles hat ein Auskommen. Ohne mich. Und sonst halt nicht. Aber ich, ich bin voll von mir. Ich bin. Ich bin das Zentrum meiner Welt. Die Welt, in der mir nichts wichtig ist. Ausser mir.
7
Natürlich ist er anders! Anders als andere anders sind. Anders als alle gleich sind, die anders sind. Er ist anders anders. Vollkommen anders. Er ist vollkommen. Anders als die anderen, die auch alle anders sind, weil niemand gleich ist. Auf den zweiten Blick. Aber er hat eben keinen zweiten Blick. Nur den ersten. Den anderen. Sein Blick trennt ihn von den Anderen, die für ihn alle gleich sind. Er ist allein in seinem anders sein. Anders als die anderen, die im Anderssein alle gleich sind. Deshalb ist er unnatürlich.
8
Nur kurze Gedanken gehen in meinen Kopf. Nur kurze Gedanken schreibt der Stift. Lange Gedanken verheddern sich, fächern sich auf, verlieren sich nach allen Seiten. Erschöpft der Kopf. Ueberdreht. Und dreht und dreht. Der Kopf, die Gedanken sich darin. Es dreht und wendet sich. Zum Schlechten. Es windet sich in den Windungen, windig, zugig, unkonzentriert. Fliegt raus an allen Ecken und Enden. Der Zug im Kopf. Es nimmt kein Ende. Und fängt schon wieder von vorne an.
9
Schweres Schweben. Runtergezogen, ohne Richtung, verhockt und zerstreut. Verstreut in alle Richtungen, unten. Bleierne Leichtigkeit, gut für Nichts. Leere, gefüllt mir Schwere. Gefüllt mir Vielem, nichts Besonderem, nicht dem Einen, dem Speziellen, dem Richtigen. Ziellos. Gefüllt. Abgefüllt. Abgestellt. Garbage.
10
Das Grau drückt mich in auf die Erde, der Regen zieht mich unter den Grund. In die feuchte Dunkelheit, gefangen. Das Licht düster und voller tropfender, glucksender, rauschender Eintönigkeit. Die Gleichmut der Bäume fehlt mir, ich möchte rennen, fliehen, fliegen, raus ans Licht der Sonne und der Sterne und des Mondes.
11
Schuld. In wessen Schuld stehe ich und warum stehe ich da in dieser Schuld, wie in einem Regen ohne Schirm. Wer schüttet sie über mir aus, wo sie doch in mir selbst zu wachsen scheint? Kommt sie von innen oder von aussen? Wo geht sie hin, wenn ich sie nicht mehr spüre? Ist sie dann getilgt, vergessen oder fällt sie in den bodenlosen Raum meiner Seele und sammelt sich da wie Dreck und Verwesung? Steigt sie stinkend wieder auf, wenn ich von Gefühlen spreche? Steht sie mir im Weg wenn ich einen neuen Anfang wage? Was schulde ich wem? Und Warum?
12
Ich habe heute meine Atome gezählt. Die alten und die neuen, die schweren und die leichten. Die, die schon lange bei mir sind und die, die sich erst an die Oberfläche schmiegen. Manche haben weite Wege zurück gelegt, manche waren Teil eines Baumes, eines Wassers, ein paar waren Teil von Marilyn Monroe, andere Teil eines Mörders. Teile von Steinen trage ich in mir und Teile von Juwelen. Ständig auf Reisen sind sie, wirbeln durcheinander und wollen sich kaum zählen lassen. Kaum fing ich an zu zählen, waren die ersten wieder verschwunden. So zähle ich weiter, spüre ihnen nach, bis sie sich auflösen in meinem Grab.
14
Kaputtschlagen möchte ich meine Freundlichkeit. Totschlagen die Angst, die darunter liegt. Roh und schutzlos möchte ich hinaustaumeln ins Ungewisse. Wenn ich könnte.
15
Es gibt diesen Geruch, an manchem Abend des Herbstes. Es riecht nach kommender Kühle und bleibender Feuchtigkeit. Es riecht nach Ruhe. Und so riecht draussen das Nachhause kommen.
16
Erinnerungen sind Gefühle.
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Zurückgestossen, mit harter Hand, die gleiche, die zärtlich ausgestreckt war. Aber die zärtliche Freundschaft hat sie vergessen, versteinert hat sie sich, gnadenlos stösst sie und verletzt mich dabei.
18
Ich habe die Form von Wasser. Anschmiegsam, unfassbar, formbar in jede Richtung aber unerbittlich. Und ich fliesse nie bergauf.
19
Es gibt Augenblicke, da wird die ganze Vergangenheit gleichzeitig gegenwärtig. Sie stiehlt sich in eine endlose, unförmige Zukunft. Wie zu Beispiel heute, als ich mit Musik im Auto durch die dunklen Ränder der Stadt fuhr.
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Jede Mutter im Reich Gottes kennt das ewige Leben. Aber wäre Christus eine Frau gewesen, niemand hätte ihr zugehört.
22
Niemand lacht heutzutage mehr mit seinen Kindern in der Öffentlichkeit. Es scheint ungehörig.
23
Ich schlendere durch die Welt. Natürlich werde ich nie so weit kommen, wie die, die rennen. Aber vielleicht werde ich mehr sehen. Vielleicht auch nicht. Das wird sich weisen. Oder auch nicht. Vielleicht vertue ich einfach meine Zeit.
24
Religion, Politik, Gesellschaft. Alles ist unserem unbändigen Streben nach Struktur geschuldet. Und doch denken wir, wir sind ein Ganzes. Wir sehen nicht, dass wir immer nur ein Teil sind.
Nur am Anfang unseres Lebens sind wir ein Ganzes. Und wenn wir Pech haben, am Schluss.
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Ich brauche mein ganzes, volles, einmaliges Leben um mich auf das Ende vorzubereiten.
Nur wenn ich jedes Lachen, jeden Schmerz, jeden Augenblick, jeden Traum, jede Erfahrung, jede Verletzung, jedes Gefühl, jede Berührung, jeden Abgrund sammle, werde ich den Tod ertragen.
Darum will ich Gepäck. Ballast. Wunden. Siege. Ziele.
Denn das ist der Sinn meines Lebens. Dem Tod gut gerüstet gegenüberzutreten.
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Glück ist immer eine Überraschung. Oder eine Erinnerung.
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Liebe dich selbst wie deine Nächsten.