Er
Es war nichts Leichtes an ihr. Nicht nur ihre Hände, Beine und Hüften wogen schwer, auch ihr Kopf. Und in ihrem Kopf. Schwer und schwermütig.
Aber manchmal, ganz selten, schien ein Lächeln auf ihrem Gesicht.
Und dieses Lächeln, dieses winzige, glückliche Lächeln, das sich da plötzlich aus der Schwere hervorstemmte, dieses seltene Lächeln war es, das ihn an sie band.
Das Beste für ihn war, das sie selber gar nichts von diesem Lächeln zu wissen schien. Sie war es nicht gewahr, das ihr Gesicht manchmal leuchtete. Nicht, wenn er ihr ein Kompliment machte oder wenn etwas Lustiges passierte, erschien es. Es schien eher so, wie wenn ein innerer, ganz tiefer Gedanke, oder nicht einmal ein Gedanke, vielleicht eine Melodie oder eine Erinnerung, ein Hauch oder eine Ahnung in ihrem Inneren den Weg fand zu ihrem Mund, zu ihren Augen. Nur für einen winzigen Moment. Aber dieser Moment war ihm so kostbar, dass er immer neben ihr sein wollte, jede Minute, jede Sekunde, damit er keinen dieser unverhofften Strahlen des inneren Glücks verpasste. Denn das war es für ihn. Das Glück, das Berühmte, dieses Gefühl, das man nicht erzwingen konnte, das so flüchtig war, dass man es nicht festhalten konnte.
Er wusste von sich selber, dass bei ihm nie dieses verborgene Lächeln aufschien. Er kannte das Glück nicht. Er kannte Zufriedenheit, angenehme Entspanntheit, Freude, Lust, Humor. Er lachte, wenn etwas lustig war, aber es schien ihm wie ein Reflex, primitiv im Vergleich zu dem Strahlen, das aus dem Nichts erschien und dahin wieder zurückkehrte.
Sie
Sie konnte sich nicht erklären, warum er bei ihr blieb. Warum er immer da war. Sie misstraute ihm. Seiner Aufrichtigkeit. Sie hatte nichts Liebenswertes an sich. Das wusste sie.
Er hingegen kam und ging wie die Sonne. Alles schien ihm leicht zu fallen, ihm zuzufallen. Menschen, Situationen, gute Erlebnisse. Er schien nicht einmal darüber nachzudenken. Sie hingegen hörte nicht auf zu denken. Tag und Nacht. Über sich selbst dachte sie vor allem nach, über die Anderen, über das Leben. Jede Situation hallte in ihr nach, jedes Wort das an sie ging wog schwer.
Warum also, warum war er noch hier? Bei ihr? Sollte sie sich darüber freuen? Gab es einen verborgenen Grund? Sollte sie ihn wegschicken? Gleichzeitig fürchtete sie sich davor, das er gehen könnte. Er war der einzige Mensch, in dessen Nähe sie manchmal, in winzigen Augenblicken, eine Unbeschwertheit spürte. Einen Übermut, der sie jedes Mal von neuem überraschte und der nicht von ihr zu kommen schien, sondern von ihm. Wie ein Funke der Leichtigkeit, der manchmal von ihm auf sie herüberhüpfte, frech und vorwitzig und vollkommen unbekümmert. Dafür liebte sie ihn.